Statement der Literaturveranstalter

Der Widerstand wächst und wächst – gut so!

Ein Zusammenschluß von Literaturveranstaltern meint:

 1.) Beide Stadtmagazine kennen die Situation vieler Kultureinrichtungen der Stadt gut, wie ihren redaktionellen Beiträgen zu entnehmen ist. Für die Literatur-veranstalter ebenso wie für eine  Vielzahl anderer Veranstalter, die in der Regel mit schmalem Etat ein  anspruchsvolles und umfangreiches Programm präsentieren, sind 400 € viel Geld, keineswegs ein “niedriger Beitrag”. Die Berliner Kulturszene lebt auch und gerade von der Vielzahl und Vielgestalt kleiner Kultu-rveranstalter, die diese Gebühr nicht zahlen können. Dazu kommt, dass die Zahlung keine Garantie für den tatsächlichen Abdruck der Veranstaltungshinweise beinhaltet.

2.) Die doch eigentlich um die Leserschaft konkurrierenden Stadtmagazine schließen sich zusammen, um unter Ausnutzung ihrer so erhaltenen Monopolstellung die Veranstalter in Zugzwang zu bringen. Veranstalter, die die geforderten Beiträge nicht zahlen wollen oder  können, wären weder in der Zitty noch in Tip, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, [030] sowie den dazugehörigen Onlinekalendern präsent.

3.) Die Veranstalter sollen für einen Service zahlen, der den Stadtmagazinen ihre Existenzberechtigung gibt und eigentlich zum journalistischen Selbstverständnis der betroffenen Zeitungen und  Zeitschriften gehört. Die Serviceleistung soll also sowohl von den Veranstaltern finanziert als auch nochmals vom Käufer bezahlt werden.  Das ist schlicht und einfach dreist.

4.) Die Veranstalter würden mit einer Zahlung einer weiteren Hierarchisierung der Kultureinrichtungen nach Kriterien der  Finanzkräftigkeit zustimmen.

5.) Die Veranstalter würden mit einer Zahlung indirekt dem Abbau von Redak-tionsstellen in zumindest einem der Stadtmagazine zustimmen.

Aus allen diesen Gründen verwehren sich die Literaturveranstalter 
Berlins entschieden gegen eine solche Praxis, die sich sowohl gegen das journalistische Selbstverständnis als auch gegen die Vielfalt des  Kulturlebens richtet.

Mittlerweile sind die Stadtmagazine von ihrer Position etwas abgerückt  und haben angeboten, dass man Veranstaltungen kostenlos selbst eintragen kann. Dieser Vorschlag berührt aber die Kernpunkte unserer Kritik nicht. Auch so wird eine Monopolstellung genutzt, um die Kernkompetenzen der Stadtmagazine zum Outsourcing freizugeben. Zwar  bezahlen die Veranstalter dann nicht CineMarketing, doch sie würden  den Redaktionen ihre eigene Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung  stellen und damit z.B. einen Stellenabbau weiterhin begünstigen.

Berlin, 13.12.2007

 Unterzeichnet von

 Akademie der Künste
 Bastardslam (Poetry Slam)
 Berliner Künstlerprogramm des DAAD
berlinerWald
Brauseboys-Lesebühne
 Der Frühschoppen — Lesebühne im Jazzclub Der Schlot
Kulturprojekte Berlin
LesArt
Der Literarische Salon
Literarisches Colloquium Berlin
Literaturforum im Brecht-Haus
Literaturhaus Berlin
Literaturwerkstatt Berlin
 Matthes & Seitz Berlin
Querverlag
Schwarze Risse Buchläden
 Spokenwordberlin
Surfpoeten
Tanzwirtschaft Kaffee Burger
 Transmediale
Ullstein Verlage
Verlag Assoziation A
Verlag Bertz & Fischer
Verlag Elfenbein
Verlag Klaus Wagenbach
Verlag Lukas
Verlag Rotbuch
Verlag Trescher
Volksbühne-Berlin

Eine Antwort zu „Statement der Literaturveranstalter“

  1. Oberfell sagt:

    P R E S S E E R K L Ä R U N G
    Widerstand gegen das Terminkartell von ZITTY und TIP!

    Der Landesverband Soziokultur Berlin e.V. hat auf der Mitgliederversammlung am 14.12.2007 einstimmig beschlossen, die Verlage von ZITTY und TIP aufzufordern, die bestehende Praxis zur Erfassung und redaktionellen Bearbeitung der Veranstaltungsdaten im Kulturbereich wie bisher beizubehalten.

    Wir verurteilen den Versuch auf das Schärfste, im Hauruck-Prinzip den Kulturveranstaltern Berlins ein Verfahren aufzuzwingen, das von Ihnen einen zusätzlichen Arbeitsaufwand oder Gebühren abverlangt. Zugleich verhilft dieses Verfahren ausgerechnet den marktbeherrschenden Stadtmagazinen einseitig zu Wettbewerbsvorteilen, da diese so erzeugte Veranstaltungsdatenbank im Eigentum der Cine Marketing GmbH liegt, somit für alle Print-, Medien- und Onlinedienste kaum frei zugänglich sein dürfte.

    Die ab Ende Januar 2008 geplante, zentrale Erfassung der Veranstaltungsdaten über eine Online-Eingabemaske bei der verlagseigenen Cine Marketing GmbH wird daher grundsätzlich abgelehnt, da der Vormachtstellung von ZITTY und TIP so einseitig Vorschub geleistet wird. Es ist nicht einzusehen, warum soziokulturelle Einrichtungen und Initiativen durch ihre Zu- und Vorarbeit in der Datenaufbereitung zu Kostenersparnissen der beiden großen Verlagshäuser beitragen sollen, zumal von anderen, kleineren Verlagen und Dienstleistern die übliche redaktionelle Bearbeitung auch weiterhin geleistet wird bzw. geleistet werden muss.

    Unseren bisherigen Rückmeldungen zufolge, an denen über 100 Berliner Einrichtungen und Initiativen der Soziokultur bereits im Vorfeld ihre Bereitschaft zur Unterstützung eines Boykottes erkennen liessen, sowie die Kenntnis ähnlicher Proteste aus anderen Kulturbereichen, sollte ZITTY und TIP dazu bewegen, unverzüglich ihre Planungen zum Outsourcing ihrer Kernkompetenzen einzustellen:

    ZITTY und TIP scheinen völlig vergessen zu haben, dass ihre Existenz wesentlich darauf beruht, dass Kulturveranstalter ihre Termine bei Ihnen publizieren.

    Ohne diese Veranstaltungsdaten sinkt der Informationswert dieser Stadtmagazine beträchtlich.

    Aus Sicht der Landesverbandes Soziokultur Berlin e.V. ist es indes gut vorstellbar, eine mit allen Berliner Kulturveranstaltern, Verbänden und Netzwerken abgestimmte zentrale Datenbank mit allen Veranstaltungsterminen zeitnah zu etablieren, um den modernen Informationsbedürfnissen einer Mediengesellschaft gerecht zu werden.

    Diese muss aber für alle! frei zugänglich und nutzbar, mitbestimmt und transparent sein, wie dies zur Zeit z.B. die Stiftung Kulturserver gGmbH (www.kulturserver.de) anbietet, aus deren Datenbank die Presse bzw. Medien die Veranstaltungsinformationen der Berliner Bühnen bereits seit längerem abrufen.

    Der Landesverband Soziokultur Berlin e.V. besteht seit etwa einem Jahr und ist noch in der Aufbauphase. Er ist entstanden aus regelmässigen Treffen der Kultureinrichtungen wie ACUD, Pfefferwerk, RAW-Tempel, Tacheles, Kulturfabrik Moabit, Brotfabrik, Förderband, Regenbogenfabrik, u.a.

    V.i.S.P.

    Landesverband Soziokultur Berlin e.V.

    Geschäftsstelle
    Torstr. 150
    10119 Berlin
    fon +49.(0)30.24628661
    fax +49.(0)30.44340825
    Mail: info@soziokultur-berlin.de
    Net: http://www.soziokultur-berlin.de (z.Z.im Aufbau)

    ——————————————————————————-

    Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns Eure Unterstützung unter: info@soziokultur-berlin.de mitteilt!

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